Für Norbertas Vėlius
drei kleine Hähne krähen noch
dem Sonnenaufgangsmenschen ins Gesicht
eine Blüte sprießt in der Dzūkija
treibt auf dem Nemunas davon
In der Aukštaitija mitten auf dem Feld
steht ein Tisch mit Lein und Brot
und das karierte Wiesentuch
umgürtet erntereichen Rumpf
Pflasterwege in schlammigen Seen
für den Spaziergang des Sonnenuntergangsmenschen
kommt die Blüte angeschwommen und zündet
eine Kerze auf der Aestischen See an
schon dürfen den Herbst wir rufen
einen Fuß über dem Kopf gehoben
den Herbst, aus Garben und aus Feldern
mit Blumenkränzen gekrönt
kommt er heim, setzt sich an den Tisch
wo wir mit süßer Erschöpfung
die schweren Hände betrachten
mit seinen Ästen wird der Abend uns umarmen
(in seinem Schatten habe ich einst gelauscht
wie man uns ruft, doch nicht beim Namen)
der Tisch gedeckt mit Gräsern
und unteilbar und eins sind
unsre Stunden, unsre Tage
und wir werden voller Süße schauen
wie das Messer das Brot vereint
Spatzen und kleine Astlochvögel in meinen
Vogelhäuschen sind meine mächtigsten
Schutzpatrone meine Spielkame-
raden und vor allem – die seelen-
ausgleichenden Kerzen mit
Wachsschnabeldöchten, ge-
scheckte verkleinernde Pfaue mit
Perlkränzen und Goldringen
an ihren Beinen – man wird sie
fangen und sammeln doch nicht wirklich
abnehmen doch nicht wirklich
das steht nur so in jenem
Lied, ist so geträumt
alles – aus nichts – so war's
Die Tage sind länglich
gerade wie Felder
die graue Lerche
hältst fest du im Auge
du zitterst und fieberst
in menschlicher Eintracht
ein Korn rollt davon
in die Tiefe des Himmels
am Morgen öffnet
die Sonne die Zöpfe
kämmt sich mit Fichten-
wipfeln das Haar
damit dort der Flachs wächst
so lang wie die Zöpfe
die Mitgift wie Sonne
gebündelt erglänze
ihr weißgebündelten
blaublühenden
ihr weißgesichtigen
blauäugigen
Seidenbänder
und Goldringe
allmorgendlich Arbeit
und Sonnenaufgang
aus dem Heimweberlied am Ufer
der Svalia dem mohnübersäten
aus dem weichesten groben Tuch
aus dem reinsten dunklen Geschlecht
aus der Zeit, als die Trommeln man schlug,
und das Feuer schamlos gewöhnte
an den Dachfirst des trauten Bruders
und den Bruder an lehmige Erde
und der Morgen schwoll an und erstrahlte
Fundamente der Häuser aus Silber
glänzten hell die Gehenkten am Balken
schlugen Winde die Sichel der Rebellen
die nacht ist hell und warm, sanft wie die innenseite deiner schenkel
am morgen schlummerst du, erwachst am tag, bist schläfrig nachts
nicht ganz bei mir, und wieder bläst der wind vorm fenster, vorm fenster
streicheln des rauhreifs kalte hände die weiße haut des apfelbaums
breitet der leere garten weit in die ebene sich aus, wo weiß gewaschene laken
die toten mütter trocknen, ihre behäbigen, geblümten, nur selten im traum
erschienenen röcke rascheln
du sanfte, meine sanfte, mir schenkst du mich, sauber und schwach
es war und ist nicht mehr, ein vergangner nicht gewärtiger wind
fliegt blind über schwarzes brachland dahin
und stößt die flügel ab, und es verkohlt
das trockne tännchen mutters schal
macht munter, es tagt, schon springt die sonne auf den hügel
ein scherz nur im traum und niemand schuld
vergangnes ist zeuge, vergangnes regiert
nur in der gegenwart, sie ist nicht da